Öffentliche Audienz am Reichskammergericht,in: Wilhelm Roding, Pandectae Juris Cameralis …,Frankfurt/M. 1688

Welche Konflikte der frühneuzeitlichen Gesellschaft führten zu Klagen am Reichskammergericht und am Reichshofrat? Wie waren die Richter organisiert und nach welchen Rechtsnormen urteilten sie? Warum wurden Landkarten in Prozessverfahren angefertigt? Was sagen Zeugenverhöre über das Wissen der Menschen aus?

Dies ist nur ein Bruchteil der Fragen, die sich aus der Erforschung mit den beiden höchsten Gerichten im Reich ergeben. Die überaus zahlreichen erhaltenen Akten sowie ein umfangreicher Bestand an zeitgenössischer Entscheidungsliteratur bieten den historischen Wissenschaften über das enge Feld der Rechts- und Verfassungsgeschichte hinaus ein faszinierendes, immer noch weithin ungenutztes Betätigungsfeld.
Das Spektrum der bisherigen Arbeiten reicht von normengeschichtlichen Untersuchungen zum frühneuzeitlichen Prozessrecht über quantitative Annäherungen an die Gerichtspraxis bis hin zu minutiösen Detailstudien einzelner Prozesse. Auch sozial- und mentalitätsgeschichtliche Forschungen nutzen zunehmend das reichhaltige Quellenmaterial.

Trotz dieser Anstrengungen und einer mittlerweile guten Erschließung der Reichskammergerichtsakten sind noch immer viele Aspekte der obersten Gerichtsbarkeit im Alten Reich unklar, und hinsichtlich des Reichshofrats und seiner Tätigkeit steckt die historische Aufarbeitung weiterhin in den Anfängen. Erste kleine Ergebnisse konnten inzwischen schon präsentiert werden.
Das 1996 gegründete Netzwerk Reichsgerichtsbarkeit will deshalb Ansprechpartner für Rechtshistoriker, Allgemeinhistoriker, Archivare insbesondere aber für Nachwuchswissenschaftler sein, die im weitesten Sinne über die Reichsgerichte und ihre Rechtsprechung arbeiten bzw. Gerichtsakten als Quellen benutzen. Ziel ist es, die laufenden Forschungen zu vernetzen und den Austausch über die Fächergrenzen hinweg zu fördern. Seit 1998 besteht eine enge Kooperation mit der Gesellschaft für Reichskammergerichtsforschung e. V. in Wetzlar. Die Forschungsstelle der Gesellschaft ist Koordinierungsstelle des Netzwerkes. Dort finden auch Tagungen, Workshops und weitere Aktivitäten statt.

Seit 1999 veranstaltet das Netzwerk Reichsgerichtsbarkeit in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Reichskammergerichtsforschung in regelmäßigen Abständen Nachwuchstagungen, deren Ergebnisse auch publiziert werden. Die letzte Tagung mit dem Titel „Die höchsten Reichsgerichte als mediales Ereignis“ fand vom 8.-9.10.09 in Wetzlar statt. Die positive Resonanz auf die bisherigen Veranstaltungen hat gezeigt, dass ein großer Bedarf nach Austausch von Forschungsergebnissen zur Reichsgerichtsbarkeit besteht. Daher sind weitere Nachwuchstagungen geplant.

Sitzung des kaiserlichen Reichshofrats in Wien, 17. Jahrhundert, in: Johann Christoph von Uffenbach, Tractatus Singularis et Methodicus de Excelsissimo Consilio Caesareo-Imperiali Aulico …, Wien und Prag 1700

Wer über die Reichsgerichte forscht, die Gerichtsakten nutzt oder Auskünfte über die Reichsgerichtsbarkeit benötigt, ist herzlich eingeladen, mit uns Kontakt aufzunehmen.

Interessierte können sich an
Alexander Denzler M.A. (Eichstätt-Ingolstadt), 
Univ.-Prof. Dr. Anette Baumann (Wetzlar),
Dr. Stephan Wendehorst (Gießen/Wien) oder
Britta Schneider M.A. (Bamberg/Würzburg)

wenden.

 

Kontaktadresse:

Gesellschaft für Reichskammergerichtsforschung e.V.
Rosengasse 16
35578 Wetzlar

Tel.: 06441/99-4162
Fax: 06441/99-4164
E-Mail: forschungsstelle@reichskammergericht.de