Der Willem C. Vis Moot Court

Was ist der Willem C. Vis Moot?  

Der von der Pace University, New York, ausgerichtete Willem C. Vis Commercial Arbitration Moot ist eine simulierte Schiedsgerichtsverhandlung, die jedes Jahr in der Woche vor Ostern in Wien stattfindet. Namensgeber des Moot Courts ist der ehemalige Generalsekretär der United Nations Commission on International Trade Law (UNCITRAL), Willem C. Vis.

Zielsetzung  

Im internationalen Handelsverkehr ist das von der UNCITRAL entwickelte UN-Kaufrecht (CISG) maßgeblich. Im Rahmen von Kaufverträgen kommt es jedoch zwischen den Vertragsparteien immer wieder zu Auseinandersetzungen, bei denen ein Ausgleich zwischen den divergierenden Interessen gefunden werden muss. In der Praxis werden diese Konflikte häufig durch Schiedsgerichte entschieden. Deswegen ist es das Ziel des Willem C. Vis Moot Courts, die Auseinandersetzung sowohl mit dem UN-Kaufrecht als auch mit unterschiedlichen Schiedsordnungen zu fördern.  

Struktur  

Der Moot Court beginnt jedes Jahr Anfang Oktober und gliedert sich in zwei Hauptphasen. In der „Written Phase“ wird den teilnehmenden Studententeams ein konkretes Problem zum UN-Kaufrecht und dem Schiedsrecht gestellt. Die Teams müssen dazu einen Schriftsatz zunächst aus der Sicht des Klägers verfassen und dabei prozessuale und materielle Fragen klären. Danach muss in einer Klageerwiderung auf die Klageschrift eines anderen Teams geantwortet werden. Die Veranstalter achten dabei darauf, dass den Teams aus Civil Law-Ländern Schriftsätze zugeordnet werden, die von Teams aus Common Law-Ländern verfasst wurden. Die Teilnehmer werden dadurch mit neuen, in ihrem jeweiligen Rechtskreis vielleicht ungewohnten Perspektiven und Herangehensweisen konfrontiert. Die zweite Phase ist die „Pleading-Phase“, in der die verschiedenen Teams in mehreren fiktiven Schiedsgerichtsverhandlungen beide Parteien argumentativ vertreten müssen. Diese eigentliche Wettbewerbsphase, die viele Teams in den Wochen zuvor durch die Teilnahme an nationalen oder sogar internationalen  Probeverhandlungen mit anderen Teams vorbereiten, findet Ende März 2010 in der juristischen Fakultät der Universität Wien statt. In mehreren Runden werden in Wettkampfverhandlungen die besten Teams ermittelt. Die Schiedsgerichtstribunale, die die Leistung der Teams bewerten, bestehen aus im Schiedsrecht erfahrenen Rechtsanwälten und renommierten Wissenschaftlern. Das Finale ist öffentlich und findet in der Wiener Messehalle statt.            

Preise  

Am Ende des Wettbewerbs werden vier Preise vergeben:  
 - Der Frédéric Eisemann Award für das beste Team des Wettbewerbs in den mündlichen Verhandlungen (Gewinner des Moots)  
 - Der Peter Sanders Award für das Team mit dem besten Klägerschriftsatz (Memorandum for claimant)  
 - Der Werner Melis Award für das Teams mit dem besten Beklagtenschriftsatz (Memorandum for respondent)  
 - Der Martin Domke Award für den besten Einzelsprecher während der Vorrunden des Wettbewerbs  

Prestige  

Der Willem C. Vis Moot Court ist einer der prestigeträchtigsten Moot Courts weltweit. Das liegt zum einen an den zahlreichen Sponsoren (u.a. die American Arbitration Association, das Internationale Schiedsgericht der Wirtschaftskammer Österreich, die Deutsche Institution für Schiedsgerichtsbarkeit und der London Court of International Arbitration), zum anderen daran, dass die Schiedsgerichte der Verhandlungsphase mit führenden Gelehrten und Experten im internationalen Kaufrecht besetzt sind. Manche bezeichnen den Willem C. Vis Moot sogar als „Olympiade des internationalen Handelsrechts“. Universitäten aus aller Welt (z.B. Harvard Law School, Columbia University, Queens Mary University London, Université Panthéon-Sorbonne Paris, Universität Genf, University Hong Kong, University of Sydney) schicken Teams zu diesem Wettbewerb, die Zahl der Teilnehmer steigt von Jahr zu Jahr. Aktuell nehmen über 250 Teams aus über 60 Ländern teil.

Das Team Würzburg  

Seit dem Wintersemester 2009/2010 nimmt auch die Universität Würzburg am Willem C. Vis Moot Court teil. Mit der freundlichen Unterstützung der akademischen Leiter Frau Prof. Dr. Eva-Maria Kieninger und Herrn Prof. Dr. Oliver Remien, dem Engagement der Coaches und viel Teamgeist haben die teilnehmenden Studenten wertvolle Erfahrungen gesammelt und ihre Universität würdig vertreten.