Referat "Handelsgewohnheiten, ius commune und städtisches Recht in Antwerpen im 16. Jahrhundert"

Am 8. Februar 2012 wird Herr Dr. Dave De ruysscher (Brüssel) im Rahmen des von Prof. Dr. Anja Amend-Traut und Prof. Dr. Albrecht Cordes (Frankfurt a.M.) geleiteten Arbeitskreises Handelsrechtsgeschichte über das Thema „Handelsgewohnheiten, ius commune und städtisches Recht in Antwerpen im 16. Jahrhundert" referieren.

Ort der Veranstaltung: Goethe-Universität Frankfurt a.M. Seminarraum RuW 4.101 , Zeit: 18 Uhr.

 

Zum Inhalt:

Am Anfang des 16. Jahrhunderts wurde Antwerpen zum Zentrum des Welthandels. In den Jahren um 1500 haben Praktiken der neu angekommenen ausländischen Kaufleute (ihre Handelsgewohnheiten und Usancen) die Rechtsprechung des Antwerpener Stadtrats und den Inhalt des städtischen Rechts, das später großen Einfluss in Nordwest-Europa ausgeübt hat, in zunehmendem Maße geprägt. In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts reorganisierten die Schöffen der Stadt Antwerpen ihre Gerichtsbarkeit und führten den römisch-kanonischen Zivilprozess ein. Rechtsgelehrte Allegationen von Fragmente aus dem Ius commune wurden üblich. In dieser Periode ließen die Stadtväter die Verrechtlichung neuer Techniken des Handels im Rahmen des städtischen Rechts zu: Usancen wurden in verschiedenen Quellen des Antwerpener Rechts und vor allem aufgrund des Ius commune zu verbindlichen Regeln entwickelt. Eine Ambition, handelsrechtliche Artikel in städtische Gesetzgebung aufzunehmen, gab es noch nicht. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhundertshaben die Schöffen das doch versucht, in Antwort auf Befehle der zentralen Behörden, aber auch in Reaktion auf Entwicklungen in der kommerziellen Praxis. Am Ende des 16. Jahrhundert and im frühen 17. Jahrhundert entstand ein ausgearbeitetes und besonderes städtisches Rechtdes Handels. Wie zuvor enthielt die Gesetzgebung der Stadt vor allem Normen, die dem Ius commune entnommen waren. Während des ganzen 16. Jahrhunderts lieferten Kaufleute Handelsgewohnheiten als Grundmateriale; die Juristen der Stadt Antwerpen haben sie immer zu Fertigprodukten verarbeitet.

Zur Person:

Prof. Dr. Dave De ruysscher studierte Geschichte (Universität Leuven, 2000) und Jura (Universität Antwerpen, 2004) und promovierte 2009 an der Universität Leuven mit einer Dissertation zum Handelsrecht in Antwerpen im 16. und 17. Jahrhundert. Seit 2010 ist er als Stipendiat des FWO (Wissenschaftsfonds der flämischen Gemeinschaft Belgiens) an der Universität Antwerpens tätig und lehrt zugleich Rechtsgeschichte an der Universität Brüssel.

Lehrstuhl Prof. Dr. Anja Amend-Traut     Domerschulstr. 16     97070 Würzburg     Tel. 0931/31-8 2320

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