Tagung 2011

Wissenschaftliche Zielsetzung

Die Tagung widmet sich den Grundlagen des chinesischen und deutschen Strafrechts sowie deren Vergleich und Erklärung. Der Fokus liegt dabei auf einer der zentralen historischen und rechtsphilosophischen Säulen des deutschen Strafrechts: dem Gesetzlichkeitsprinzip. Dieses Prinzip, das sich vor dem Hintergrund der Aufklärung entwickelte, prägt die Strafrechtsanwendung und wissenschaftliche Diskussion in Deutschland wie kaum ein anderes und ist ein typisches Beispiel für die kulturelle Prägung des Rechts.

Umso relevanter ist die Frage, wie derartige Prinzipien in anderen Kulturen umgesetzt, theoretisch diskutiert und praktisch angewandt werden – gerade in einer Kultur wie China, in der das Gesetzlichkeitsprinzip neu interpretiert und umgesetzt werden muss. Die Konzentration auf das Gesetzlichkeitsprinzip soll ermöglichen, diese Frage im Detail und aus verschiedenen Perspektiven intensiv zu diskutieren.

Das Thema wird in drei Teilaspekte aufgeteilt:

- Das Verständnis des Gesetzlichkeitsprinzips
- Die Praxis des Gesetzlichkeitsprinzips
- Die Unterscheidung zwischen extensiver Auslegung und Analogie

Jeder dieser Aspekte wird zunächst durch zwei Vorträge, einem aus chinesischer und einem aus deutscher Perspektive, vorgestellt. Dabei werden die fraglichen Regelungen im Strafrecht, die aktuell umstrittenen Fälle und die wesentlichen Ansichten der Rechtsprechung und Wissenschaft dargelegt. Anschließend werden diese Überlegungen von jeweils einem chinesischen und einem deutschen Rechtswissenschaftler kommentiert. Konzeption und Themen der Tagung wurden von chinesischer Seite vorgeschlagen. Die chinesischen Teilnehmer kommen von den führenden chinesischen Rechtsfakultäten (Renmin-, Peking- und Tsinghua - Universität, China University of Politics and Law).

Eindrücke von der Tagung