Podiumsdiskussion: Auf und davon - Kehrt die Migration zum Hintergrund zurück?

Präsentation der Einführung zum Download
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Esragül Aksu bei ihrer Begrüßung.
Esragül Aksu bei ihrer Begrüßung.
Die Diskutanten auf dem Podium (v.r.n.l.: Melis Gazoglu, Macit Karaahmetoglu, Mustafa Coban, Stefan Lutz-Simon, Burcak Durmaz)
Die Diskutanten auf dem Podium (v.r.n.l.: Melis Gazoglu, Macit Karaahmetoglu, Mustafa Coban, Stefan Lutz-Simon, Burcak Durmaz)
Blick in die Zuhörerschaft
Blick in die Zuhörerschaft

Der Begrüßung durch Jurastudentin Esragül Aksu folgte eine Einführung von Dr. Jan-Christoph Marschelke (Leiter des GSiK-Projektes) über das Thema „Migration in Deutschland“.

Einführung als Rahmen für die Diskussion

In dieser Einführung erfuhren die Teilnehmer z.B., was Migrationshintergrund bedeutet (vgl. Präsentation rechts, Folie 4), wie viele Menschen in Deutschland dazu zählen (Folie 5) und konkrete Zahlen am Beispiel der Auswanderung von Deutsch-Türken (Folie 7)

Auch die Nachteile der Auswanderung für die deutsche Gesellschaft wurden skizziert. Aus volkswirtschaftlicher Sicht gehören hierzu etwa verlorene Ressourcen im Bildungsbereich und der Verlust interkulturellen Know-Hows. Indem junge Studienabsolventen in ihr Heimatland zurückkehren, verstärkt dies zudem die Überalterung unserer Gesellschaftsstruktur.

Vom soziokulturellen Standpunkt aus betrachtet, steht die Auswanderung der Pluralisierung unserer Gesellschaft entgegen. Gleichzeitig gehen auf diese Weise wichtige Vorbilder und Vermittler verloren.

Rege Diskussion - unterschiedliche Positionen

Im Anschluss an den Vortrag diskutierten die Teilnehmer rege über den konkreten Auswanderungswunsch der Jurastudentin Burcak Durmaz. Sie plante eine Rückkehr in die Türkei, da sie sich in Deutschland noch nicht akzeptiert fühle. Weiter glaubte Durmaz, dass sie in der Türkei viel bessere Berufschancen habe. In Deutschland habe sie das Gefühl, sich aufgrund ihres Migrationshintergrundes beweisen zu müssen.

Rechtsanwalt und SPD-Ortsverein-Vorsitzender in Ditzingen Macit Karaahmetoglu berichtete von gegenteiligen Erfahrungen. Er kam im Alter von 11 Jahren aus der Türkei nach Deutschland. Nach dem Abitur studierte er hier Jura und auch für den Einstieg ins Berufsleben verließ er das Land nicht. Für Karaahmetoglu bedeutet es eine Bereicherung, sich in zwei Ländern zu Hause zu fühlen und somit zwei Kulturen kennen und leben zu dürfen. Er berichtete, es sei zwar mit Einsatz und Arbeit verbunden aber durchaus möglich, sich auch mit Migrationshintergrund in Deutschland eine Zukunft aufzubauen.

Im weiteren Verlauf der Podiumsdiskussion vertrat Diplom-Pädagoge Lutz-Simon den Standpunkt, dass Deutschland längst ein Einwanderungsland sei. Er sprach sich gegen eine ethnische Trennung aus. Als Leiter der Jugend- Bildungsstätte Unterfranken, in welcher viele Mitarbeiter mit Migrationshintergrund beschäftigt seien, gebe es keine Probleme. Hier zählten Leistung und Menschlichkeit, nicht Nationalität oder Religion.

Melis Gazeloglu, Political and Social Studies Studentin, teilte diese positive Einschätzung. Sie fühle sich in Deutschland integriert und zu Hause. Aus diesem Grund wolle sie sich auch hier und nicht etwa in der Türkei eine Zukunft aufbauen. Ihr Heimatland kenne sie nur aus dem Urlaub und selbst dann vermisse sie Deutschland nach kurzer Zeit.    

Fazit einer Teilnehmerin

Insgesamt kamen bei der Podiumsdiskussion verschiedene Ansichten und über das Leben in Deutschland mit Migrationshintergrund zum Ausdruck. So wurde eine gewisse Fremdheit beschrieben, ein „anders sein“ gegenüber der restlichen Bevölkerung. Die Sehnsucht nach Akzeptanz und Ermüdung des sich „Rechtfertigen-Müssens“ kann auf Dauer zu Frustration führen. So führt vielleicht nicht unbedingt der Wunsch, im Herkunftsland zu leben, zur Rückkehr. Vielmehr kann schlicht der Wunsch überwiegen, sich in Deutschland nicht mehr beweisen zu müssen.

Im Gegensatz dazu kommt es auch vor, dass sich Studienabsolventen gut integrieren und schließlich ein Stück zurückgeben wollen. So begeben sie sich auf Arbeitssuche, um ihren Beitrag in der Gesellschaft zu leisten. Dies schließt nicht aus, das Herkunftsland als Heimat zu betrachten. Mit wachsender Selbständigkeit können Zuwandererkinder jedoch die Möglichkeit nutzen, eigenständig zu entscheiden, welchem Land sie sich zugehörig fühlen und wo sie leben möchten. Teilnehmern ohne Migrationshintergrund versuchte die Podiumsdiskussion einen Einblick in die Thematik zu vermitteln.

Anhand konkreter Beispiele konnten sie nachempfinden, was es bedeuten kann, die eigene Zugehörigkeit nicht definieren zu können und sich mit solch einem Konflikt auseinandersetzen zu müssen.

Insgesamt lässt sich sagen, dass letztlich jeder Mensch individuell ist und eigene Erfahrungen, Moralvorstellungen, Werte und Wünsche besitzt. Ich glaube kaum, dass es für die Thematik Migrationshintergrund nur ein richtiges Ergebnis geben kann. Wir als (Mit)Bürger können uns aber in jedem Fall eines zur Aufgabe machen: Aufhören zu urteilen und anfangen zu akzeptieren.

Text: Esragül Aksu

Projektsprecher Prof. Dr. Dr. Eric Hilgendorf     Domerschulstr. 16     97070 Würzburg     Tel. (09 31) 31-82303