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Moot Court BAG

Zwei Würzburger Teams in Erfurt

Alle zwei Jahre bietet der Moot Court des Bundesarbeitsgerichts angehenden Juristinnen und Juristen die Möglichkeit, praxisnahe Prozesserfahrung zu sammeln. Am 22. Januar 2026 fand der Wettbewerb in Erfurt zum zehnten Mal statt. Teilgenommen haben an der Jubiläums-Ausgabe 31 studentische Teams aus insgesamt 16 deutschen Hochschulen. Die Juristische Fakultät der Julius-Maximilians-Universität Würzburg war mit zwei Teams vertreten: mit dem Duo Ann-Kathrin Heep und Katharina Wagenhöfer sowie mit dem Duo Jessica Hütter und Vanessa Schnotz. Betreut wurden die Teams durch die Lehrstühle von Prof. Dr. Christof Kerwer und Prof. Dr. Stephan Gräf.

Der Moot Court ist Teil einer praxisnahen Ausbildung von angehenden Juristinnen und Juristen. Er hat das Ziel, Rhetorik und freie Rede zu fördern und Studierende der Rechtswissenschaft mit Anforderungen des beruflichen Alltags vertraut zu machen.

Den Studierenden wurde ein fiktiver Sachverhalt gestellt, der mit komplexen prozessualen und materiellen Rechtsproblemen im Zusammenhang mit Auflösungsanträgen nach § 9 KSchG und einem Betriebsübergang nach § 613a BGB gespickt war. Den Teams war per Los die Kläger- bzw. Beklagtenseite zugeteilt worden, die sie nun vor Gericht zu vertreten hatten. Die Aufgabe bestand aus zwei Teilen: Zunächst mussten die Teams einen Schriftsatz erarbeiten und beim Bundesarbeitsgericht einreichen. Zum eigentlichen Wettbewerbstag (22. Januar 2026) reisten die Teams dann zum Bundesarbeitsgericht nach Erfurt, um in einer mündlichen Verhandlung vor einer aus Richterinnen und Richtern des Bundesarbeitsgerichts bestehenden Jury zu plädieren.

Dem gingen mehrere Monate intensiver Vorbereitung voraus – beginnend mit der Zusendung des Falles im Sommer 2025. Die Teams erschlossen sich zunächst die rechtlichen Fragestellungen, recherchierten einschlägige Rechtsprechung und Literatur, erarbeiteten sich eigene Argumente und formten daraus schließlich ihren Schriftsatz. Auf diese ungewohnte Aufgabe – anders als im Studium musste statt des Gutachtenstils der Urteilsstil angewendet werden – wurden die Studierenden durch die Betreuerinnen und Betreuer der beiden Lehrstühle vorbereitet. In den Wochen vor dem Wettbewerbstag in Erfurt organisierten die Lehrstühle dann zahlreiche Probeverhandlungen an der Würzburger Fakultät, in denen unsere Teams ihre Plädoyers verfeinern konnten und auf mögliche Nachfragen der Richterinnen und Richter vorbereitet wurden. An diesen Coachings nahmen auch erfahrene Praktiker aus der Anwaltschaft teil, die den Teams wertvolle Tipps geben konnten.

Nach dieser intensiven Vorbereitungsphase begann der Wettbewerbstag mit der offiziellen Begrüßung durch die Präsidentin des Bundesarbeitsgerichts, Inken Gallner. Im Anschluss startete die Eröffnungsrunde, in der die Teams erstmals ihre Argumente vor den Richterinnen und Richtern präsentierten. Hierfür wurden vier Kammern gebildet, aus denen sich jeweils das überzeugendste Team für die Zwischenrunde qualifizierte.

In der anschließenden Zwischenrunde stieg die Spannung noch einmal deutlich. Die verbliebenen vier Teams traten im Knock-out-Verfahren gegeneinander an. Eine besondere Herausforderung wartete dabei unmittelbar vor den Verhandlungen: Alle Teams erhielten eine neue Fallvariante, auf die sie sich innerhalb von nur 30 Minuten vorbereiten mussten. Die beiden Sieger-Teams der Zwischenrunde zogen schließlich ins Finale ein, in welchem sie um den Gesamtsieg kämpften. In diesem Jahr setzte sich das Team der Universität Tübingen durch. Zu diesem verdienten Erfolg gratulieren wir herzlich! Mit unserer eigenen Leistung konnten wir aber auch sehr zufrieden sein: Beide Würzburger Teams sind nur haarscharf am Einzug in die Halbfinals gescheitert.

Den feierlichen Abschluss bildete die Siegerehrung, bei der an alle Teams Urkunden und Buchpreise verliehen wurden. Beim anschließenden gemeinsamen Ausklang blieb schließlich Zeit für Gespräche mit den anderen Teilnehmenden, bevor ein besonderer Höhepunkt den offiziellen Teil des Tages abrundete: Die Präsidentin des Bundesarbeitsgerichts Inken Gallner führte persönlich durch die Räumlichkeiten des Bundesarbeitsgerichts mit seiner beeindruckenden Bibliothek und gewährte spannende Einblicke in die Arbeit und Geschichte des höchsten deutschen Arbeitsgerichts.

Im Anschluss an den Moot Court folgte speziell für die Würzburger Teams ein weiteres Highlight: Wir wurden am Abend von Karin Spelge zu einer exklusiven Weinprobe eingeladen. Die Vorsitzende Richterin des Sechsten Senats des Bundesarbeitsgerichts war im Juli 2025 als Referentin beim Würzburger Forum Arbeitsrecht zu Gast gewesen und hatte freundlicherweise eine Gegeneinladung für beide Teams und sämtliche Begleiter ausgesprochen.

In persönlicher und äußerst angenehmer Atmosphäre führte sie uns durch sechs ausgewählte Weine eines ihrer Lieblingsweingüter und teilte dabei nicht nur ihr önologisches Wissen, sondern auch zahlreiche interessante Einblicke und Anekdoten aus ihrem richterlichen Alltag. Die Verkostung bot eine willkommene Gelegenheit, die Eindrücke des Tages Revue passieren zu lassen und die Gespräche abseits des Wettbewerbs in geselliger Runde fortzusetzen.

 

So bildete der Abend einen gelungenen Ausklang eines langen, ereignisreichen und zugleich außergewöhnlichen Tages. Die Kombination aus fachlichem Austausch, persönlicher Begegnung und gemeinschaftlichem Miteinander machte dieses Erlebnis zu einem besonderen Höhepunkt des Studiums, der uns allen noch lange in bester Erinnerung bleiben wird. Möglich gemacht wurde unsere Exkursion nach Erfurt durch die finanzielle Unterstützung des Juristen ALUMNI Würzburg e.V., für die wir uns herzlich bedanken!

Text: Jessica Hütter und Vanessa Schnotz

Nähere Informationen zum Moot Court des BAG finden Sie hier

Im WS 2023/24 hat Prof. Gräf zwei Teams der Universität Konstanz betreut.

Einen Veranstaltungsbericht finden Sie hier.