Erfolgreiche Bewilligung des rechtsgeschichtlichen DFG-Forschungsprojekts
12.10.2026Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat am 05.10.2026 den Antrag auf Förderung des Projekts „KI-gestützte Digitalisierung reichshofrätlicher Protokollbücher (1700–1805). Ein Schlüssel zur (Rechts-)Geschichte der Frühen Neuzeit“ mit einem Gesamtvolumen in Höhe von rund 1,3 Mio. € bewilligt. Das Projekt nutzt dabei eine KI-gestützten Methodik, um die Protokollbücher des Reichshofrates, ein Zentralgericht im Heiligen Römischen Reich deutscher Nationen, strukturell besser zu erschließen. Den Antrag haben neben Prof. Dr. Anja Amend-Traut, Prof. Dr. Peter Oestmann (Uni Münster) und Prof. Dr. Sabine Ullmann (Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt) gestellt. Mehr Informationen finden Sie hier.
Vertiefte wissenschaftliche Erkenntisse dank KI
Mit dem Projekt werden Protokollbücher des Reichshofrats, eines der beiden Zentralgerichte im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation, nach ihrer Digitalisierung und Texterkennung strukturell erschlossen. Mit diesem methodischen, KI-gestützten Ansatz wird die klassische Akteninventarisierung abgelöst. Die Protokollbücher geben u.a. Auskunft über Stand, Geschlecht, Konfession und Herkunft der Antragsteller bzw. Parteien und über andere Verfahrensbeteiligte sowie Sachverhaltsinhalte und eröffnen über ihre Hinweise auf vorhandene Sitzungsprotokolle den Zugang zu den betreffenden Verfahrensakten. Die so gewonnenen Daten eröffnen damit eine vertiefte Erschließung und ermöglichen es der frühneuzeitlichen Justizforschung, bislang unbeantworteten Fragen der Geschichts- und Rechtsgeschichte zur Arbeit und Funktionsweise der Höchsten Gerichtsbarkeit im Alten Reich nachzugehen.
Internationale Kooperation mit Wien und Graz
Das Projekt kann inhaltlich wie auch organisatorisch als europäisches Unternehmen bezeichnet werden: Die aus den Protokollbüchern stammenden Informationen erstrecken sich auf etwa 20 heutige europäische Staaten mit einem Schwerpunkt auf Deutschland. Als Kooperationspartner des Projekts fungieren das Österreichische Haus-, Hof- und Staatsarchiv in Wien, wo die Akten aufbewahrt sind. Die technische Umsetzung wird von Prof. Dr. Georg Vogeler, Institut für Digitale Geisteswissenschaften, Universität Graz, begleitet.
Die Förderung stellt ein wichtiges Signal für die geisteswissenschaftliche Forschung, insbesondere für die Justizforschung im Allgemeinen und die Forschung zur Höchsten Gerichtsbarkeit im Besonderen, dar.
Kontakt
Prof. Dr. Anja Amend-Traut, Lehrstuhl für Deutsche und Europäische Rechtsgeschichte, Kirchenrecht und Bürgerliches Recht, Universität Würzburg, T +49 931 31-88689, anja.amend-traut@uni-wuerzburg.de
Prof. Dr. Peter Oestmann, Lehrstuhl für Bürgerliches Recht und Deutsche Rechtsgeschichte, Universität Münster, T: +49 251 83-28641, LS.oestmann@uni-muenster.de
Prof. Dr. Sabine Ullmann, Professur für Frühe Neuzeit und Vergleichende Landesgeschichte, Katholische Universität Eichstätt, +49 8421 93-21666, sabine.ullmann@ku.de




