Caen-Seminar 2026: Sicherheit aus deutsch-französischer Perspektive
07.07.2026Vom 17. bis zum 23. Mai 2026 fand das traditionelle deutsch-französische Seminar der Juristischen Fakultäten der Universität Würzburg und der Université de Caen statt. Unter der Leitung von Prof. Dr. Florian Bien und Prof. Dr. Catherine-Amélie Chassin kamen Studierende, Promovierende sowie Professorinnen und Professoren beider Universitäten in Caen zusammen, um sich eine Woche lang mit rechtsvergleichenden Fragestellungen auseinanderzusetzen. Das diesjährige Seminar stand unter dem Leitthema „Sécurité“ (Sicherheit), das sich als roter Faden durch sämtliche Programmpunkte zog und aus unterschiedlichen Perspektiven des deutschen und französischen Rechts beleuchtet wurde.
Die Würzburger Delegation bestand aus zehn Studierenden aller Fachsemester, vier wissenschaftlichen Mitarbeitenden und den Würzburger Professoren Bien, Gräf und der Professorin Schmahl, während die Professoren Teichmann und Zieschang die fachliche Betreuung des gesellschafts- beziehungsweise strafrechtlichen Vortrags bereits im Vorfeld übernommen hatten. Nach ihrer Anreise am Sonntag wurde die Delegation herzlich von den französischen Gastgebern empfangen, wobei die deutschen Studierenden während ihres Aufenthalts privat bei den französischen Studierenden untergebracht waren und so auch abseits des offiziellen Programms die Möglichkeit zu einem engen persönlichen sowie fachlichen Austausch hatten. Nach einer Stadtführung durch Caen begann am Montagnachmittag das wissenschaftliche Programm.
Rechtsvergleichende Perspektiven auf das Leitthema "Securité"
Den Mittelpunkt des Seminars bildeten rechtsvergleichende Vorträge der Studierenden, die jeweils von einem deutschen und einem französischen Tandem vorbereitet und präsentiert wurden. Ausgehend vom Leitthema „Sécurité“ , welches aus zivil-, straf-, gesellschafts-, arbeits- und öffentlichrechtlicher Perspektive beleuchtet wurde, behandelten sie unterschiedliche Rechtsfragen aus beiden Rechtsordnungen und diskutierten Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede. Ergänzt wurde das Programm durch die Bearbeitung sogenannter "cas pratiques" zu Themen wie beispielsweise dem Kartellrecht („below-threshold merger control“), bei denen die Studierenden unter der Leitung deutscher und französischer Promovierender in gemischten Gruppen konkrete Fallkonstellationen rechtsvergleichend lösten und ihre Ergebnisse anschließend im Plenum vorstellten.
Einblicke in die Komplexität europäischer Entscheidungsfindung
Ein besonderer inhaltlicher Schwerpunkt lag auf dem Thema "L'État de droit" – dem Rechtsstaat, dessen Bedeutung für Sicherheit und Stabilität demokratischer Gesellschaften im Mittelpunkt der Vorträge zweier Professoren der Université de Caen stand. Die dort gewonnenen Impulse griff ein simulierter EU-Gipfel auf: Die Studierenden vertraten in Kleingruppen jeweils einen Mitgliedstaat und verhandelten gemeinsam eine Resolution zur Rechtsstaatlichkeit. Wie bei tatsächlichen europäischen Verhandlungen ließen sich die unterschiedlichen nationalen Interessen nicht vollständig auflösen, eine Erfahrung, welche die Studierenden für die Komplexität europäischer Konsensfindung sensibilisierte. Den Abschluss des akademischen Programms bildete ein Vortrag von Paul Moulin (Institut Caennais de Recherche Juridique – ICREJ), der Einblicke in wissenschaftliche Karrierewege und die rechtswissenschaftliche Forschung in Frankreich und Deutschland gab.
Normannische Kultur abseits des Seminars
Neben dem wissenschaftlichen Austausch bot das Seminar vielfältige Gelegenheiten, die Normandie kennenzulernen. Auf dem Programm standen unter anderem ein gemeinsames Abendessen im „Monsieur Louis“, eine Führung durch die Abbaye-aux-Hommes mit anschließendem Empfang im Rathaus von Caen sowie der Besuch einer Fotoausstellung im Musée de Normandie. Den Abschluss der Seminarwoche bildete eine Exkursion an die normannische Küste mit Stationen in Dives-sur-Mer und Cabourg sowie der Besuch einer traditionellen Cidrerie bei Pont-l'Évêque. Beim gemeinsamen Abschlussessen ließ die Seminargruppe die ereignisreiche Woche ausklingen, bevor die Würzburger Delegation am Samstag die Heimreise antrat.
Ein Blick über den juristischen Tellerand
Das Caen-Seminar 2026 hat erneut gezeigt, wie bereichernd der deutsch-französische Austausch für die juristische Ausbildung ist. Die Verbindung aus rechtsvergleichender Wissenschaft, gemeinsamer Fallarbeit und persönlicher Begegnung stärkte nicht nur das Verständnis für die jeweils andere Rechtsordnung, sondern auch die langjährige Partnerschaft zwischen den Universitäten Würzburg und Caen.
Das Seminar wurde großzügig durch folgende Institutionen unterstützt und ermöglicht: die rechtswissenschaftlichen Fakultäten der Université Caen-Normandie sowie der Universität Würzburg, der UNESCO-Lehrstuhl Normandie für den Frieden, das Institut Caennais de Recherche Juridique – ICREJ, die Juristen Alumni Würzburg e.V., die Stadt Caen und das Deutsch-Französische Jugendwerk – DFJW.
Ein Beitrag von Simon Michaeli und Aleksandar Ginev, stud. Hilfskräfte am Lehrstuhl von Prof. Dr. Florian Bien.



