Juristische Forschung inspiriert EU-Gesetzgebung
27.03.2026Mit der geplanten „EU Inc.“ will die Europäische Kommission ein einheitliches europäisches Unternehmensrecht schaffen und damit den Flickenteppich aus 27 nationalen Regelwerken überwinden, um das Potenzial des Binnenmarktes voll auszuschöpfen. An den Grundlagen dieses Vorhabens haben Forschende der Juristischen Fakultät bereits 2016 maßgeblich mitgearbeitet. Ihre Ideen finden sich nun in zentralen Teilen des Kommissionsentwurfs wieder. Mehr Informationen finden Sie hier.
Viele Unternehmen, die in der EU über Grenzen hinweg expandieren möchten, stehen vor einer unübersichtlichen Rechtslage: Sie sind mit 27 nationalen Rechtssystemen und mehr als 60 Unternehmensrechtsformen konfrontiert, heißt es in einer Pressemitteilung der Europäischen Kommission. Diese komplexe Lage könne wirtschaftliches Wachstum bremsen, die unternehmerischen Kosten erhöhen, von Expansionen abhalten und die Gründung neuer Unternehmen verzögern.
Mit dieser Situation will die Kommission Schluss machen: Am 18. März 2026 hat sie ihren Vorschlag für eine „EU Inc.“ vorgelegt, ein einziges europäisches Regelwerk für Unternehmen. Es soll helfen, das Potenzial des Binnenmarkts voll auszuschöpfen. EU Inc. enthält viele Ideen, die von Forschenden der Universität Würzburg mitentwickelt wurden.
Internationales Team seit 2016 aktiv
Dass die EU ein „Europäisches Wirtschaftsgesetzbuch“ braucht, erkannte schon 2016 eine internationale Forschungsgruppe, an der Professorin Eva-Maria Kieninger, Juniorprofessorin Caroline Rupp (verh. Rapatz, nunmehr Uni Kiel) und Professor Christoph Teichmann beteiligt waren, alle von der Würzburger Juristischen Fakultät.
Nach intensiven rechtsvergleichenden Forschungen präsentierte die Gruppe 2020 einen Entwurf für ein komplettes Wirtschaftsgesetzbuch für den EU-Binnenmarkt. Die Deutsche Gesellschaft für Gesetzgebung zeichnete das Projekt 2025 mit dem Preis für gute Gesetzgebung aus – es sei beispielhaft in puncto Qualität, Verständlichkeit und Praxistauglichkeit.
Überreicht wurde der Preis in Berlin von Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) sowie von den Mitgliedern des Bundestags Günter Krings (CDU) und Carl-Philipp Sassenrath (CDU). Letzterer würdigte in seiner Laudatio die Pionierarbeit des Teams und appellierte an die Politik, sich den Vorschlag zu eigen zu machen.
Forschende arbeiten weiter an EU Inc. mit
Professor Christoph Teichmann freut sich, dass das Projekt nun seinen Weg in die europäische Rechtspolitik gefunden hat: „Die Politik geht manchmal ihre eigenen Wege, hier hat sie aber doch vieles übernommen, das zuvor in der Wissenschaft entwickelt wurde.“
Christoph Teichmann hat die EU-Kommission bei der Entstehung des Textes von EU Inc. beraten. Für ihn und das internationale Forschungsteam ist die Arbeit damit aber nicht beendet: Sie prüfen nun den EU-Inc.-Entwurf auf Kohärenz und erarbeiten Verbesserungsvorschläge für die europäische und nationale Gesetzgebung.
Weblinks
Pressemitteilung der Europäischen Kommission zu EU Inc. https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/de/ip_26_614
Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Gesetzgebung zum Preis für gute Gesetzgebung https://www.dggev.de/2025/11/12/preis-fuer-gute-gesetzgebung-2024-2025/#more-777
Europäisches Wirtschaftsrecht – Ein europäisches Wirtschaftsgesetzbuch, das den Euro unterbaut.https://www.europaischeswirtschaftsgesetzbuch.eu/



